Narratives of urban space, 2018 - 2020

Installation, Zeichnung, Artistic Research

Narratives of urban space, 2020

Tusche auf Papier, Nähseide, Holz, Dimensionen variabel

Im Zuge dieses Stadtforschungprojekts von März bis Juni 2020 bediente ich mich zunächst der Methode der teilnehmenden Beobachtung mit dem Ziel, individuelle Handlungen und soziale Interaktionen im öffentlichen Raum zu erfassen und mehr über dessen Aneignung zu erfahren. Schwerpunkt hierbei lag auf den Transformationsprozessen im Zuge der Coronakrise bzw. inwieweit neue Normen und Verhalten zusammenspielten und sich im öffentlichen Raum einschrieben oder neu verorteten. Auf meinen Stadtrunden, die wöchentlich stattfanden, hatte ich nie klare Routen oder Ziele im Kopf. Ich bezog mich hierbei auf das Derive, eine situationistische Methode des Umherschweifens im Stadtraum. Dabei ist das Gehen meinem eigenen Rhythmus unterworfen. In meinen Beobachtungen, die sich auf keinerlei Teilaspekte konzentrierten, erfasste ich Handlungen und soziale Interaktionen im urbanen Raum. Nach jedem Streifzug schrieb ich ein Beobachtungsprotokoll, in dem sich objektive Beobachtungen mit subjektiven Interpretationen mischten und zu neuen Dynamiken verdichteten, in denen erste Tendenzen von dominanten Handlungsweisen oder soziologischen Strukturen ablesbar wurden.

In meiner Arbeit beziehe ich mich auf Wajiro Kon, Pionier ethnografischer Studienskizzen, der sich in der ersten Hälfte des 20. Jh intensiv mit der Alltagsarchitektur und dem Alltagsleben der Menschen befasste. In seinen Studienskizzen erfasste er so Veränderungen im privaten und öffentlichen Raum und erhielt eine vergleichende Darstellung der individuellen Lebenssituation der Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven.

 

Die Auswahl der relevantesten Handlungen war ein selektiver, subjektiver Prozess, in dem Verknüpfungen zwischen Handlungsdichte und soziologischen, ökonomischen und psychologischen Themen entstanden. Es wurden Bezüge zwischen sozialen Interaktionen und den zum jeweiligen Zeitpunkt gesetzten Verordnungen deutlich. So entstand ein zeitspezifischer Werkzyklus, eine visuelle Rekonstruktion von Daten und Fakten vermischt mit subjektiv gefärbten Ausschnitten einer urbanen Wirklichkeit, eine De- und danach Rekonstruktion urbaner Prozesse der Coronakrise.


Narratives of urban space, 2020

Tusche auf Papier, Nähseide, Holz, Dimensionen variabel

Narratives of urban space, 2020

Serie von 16 Arbeiten, Tusche, Aquarell, Bleistift, Buntstift auf Papier, je 70 x 50 cm

Lockdown, 2020

Serie von Mixed Media Arbeiten, je 30 x 30 cm

Narratives of urban space, 2018

80 Handlungen im urbanen Raum, Federzeichnungen auf Papier, japanische Bindung

Im Zuge des Projekts Ephemeral landscapes recherchierte ich, welche Handlungen den urbanen Raum formen bzw. ob es Divergenzen zwischen Handeln und gebauten Raum gibt. Dazu erfasste ich 80 Handlungen in einem zuvor definierten Teilgebiet des 6.Wiener Gemeindebezirks. Auf meinen Beobachtungsrundgängen bediente ich mich der Technik der Situationisten:

 

Unter den verschiedenen situationistischen Verfahren ist das Umherschweifen eine Technik des eiligen Durchquerens abwechslungsreicher Umgebungen. Das Konzept des Umherschweifens ist untrennbar verbunden mit der Erkundung von Wirkungen psychogeographischer Natur und der Behauptung eines konstruktiven Spielverhaltens. Das Umherschweifen ist eine Bewegungsart, die sich durch ihre Ziel- und Planlosigkeit, durch ihre Verachtung ausgetretener Pfade, ihren Verzicht auf alle bisherigen Bewegungs- und Handlungsmotive den funktionalisierten Zwang-Strukturen der Stadt entzieht, ja diese zweckentfremdet. Mit der Methode des Umherschweifens soll die Stadt als Erfahrungs- und Erlebnisraum ausgelotet und auf ihre Möglichkeiten zur Konstruktion von Situationen befragt werden. Sie dient zur Beschaffung von Material, das die Situationisten für ihre Kritik des bestehenden Urbanismus einsetzen. Die beim Umherschweifen gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich nieder in psychogeographischen Landkarten. Durch das Umherschweifen wollen die Lettristen/Situationisten die Wahrheit des unmittelbaren Lebens ans Tageslicht bringen. (Juri Steiner)