INVESTIGATIVE

In meinen Projekten beschäftige ich mich mit der Fragestellung, wie Architektur soziale Prozesse beeinflusst oder umgekehrt, auf welche Weise über verschiedene Formen der Aneignung Raum neu strukturiert werden kann. In meiner Arbeit untersuche ich das performative Element und dessen Auswirkungen auf die Konzeption von Architektur. Oft prägen Handlungen Raum, der von seiner Strukturierung und seinem programmatischen Wesen her nicht auf dieses Handeln reagieren kann. In meinen Recherchen zeige ich auf, das oft starke Divergenzen zwischen starr gebauter Struktur und menschlicher Handlung bestehen und so der architektonische Raum nicht adäquat auf Bedürfnisse reagieren kann.


Urbane (De)kodierungen, 2019

Installationsansichten, sehsaal Wien, Foto: Claudia Dorninger-Lehner

Holz, C-Print auf Dibond (30x40 cm), Dimensionen variabel

Lange Zeit wurde Raum im Architekturdiskurs als eine unveränderliche Struktur betrachtet. Erst der französische Soziologe Henry Lefebvre erweiterte den Raumbegriff um eine soziale und eine geistige Komponente. Lefebvre forderte die Bewohner dazu auf, die Stadträume neu zu entdecken und auch mitzugestalten, da für ihn Raum ein gesellschaftliches Produkt darstellt, das durch Handlungen und soziale Interaktion erst erzeugt wird. Lefebvres Ansatz veränderte das Denken über den Raum.

Die Definition über Handlungen im urbanen Raum kann die Stadt immer wieder neu strukturieren und zu einem lebendigen dynamischen Körper werden lassen, der durch das Ephemere charakterisiert wird. Ich erfasse zeichnerisch 80 Handlungen in einem zuvor definierten Teilgebiet des 6. Wiener Gemeindebezirks. Die Handlungen werden auch planlich verortet, Basis hierfür bildet die Realnutzungskartierung der Stadt Wien. Während sich im Bebauungsplan die Stadt als starr gebautes Gefüge abbildet, generiert sich die neue urbane Struktur über Bereiche mehr oder weniger großer Handlungsdichte immer wieder neu.

Narratives of urban space, 2018

80 Handlungen im urbanen Raum, Federzeichnungen auf Papier, japanische Bindung

Unter den verschiedenen situationistischen Verfahren ist das Umherschweifen eine Technik des eiligen Durchquerens abwechslungsreicher Umgebungen. Das Konzept des Umherschweifens ist untrennbar verbunden mit der Erkundung von Wirkungen psychogeographischer Natur und der Behauptung eines konstruktiven Spielverhaltens. Das Umherschweifen ist eine Bewegungsart, die sich durch ihre Ziel- und Planlosigkeit, durch ihre Verachtung ausgetretener Pfade, ihren Verzicht auf alle bisherigen Bewegungs- und Handlungsmotive den funktionalisierten Zwang-Strukturen der Stadt entzieht, ja diese zweckentfremdet. Mit der Methode des Umherschweifens soll die Stadt als Erfahrungs- und Erlebnisraum ausgelotet und auf ihre Möglichkeiten zur Konstruktion von Situationen befragt werden. Sie dient zur Beschaffung von Material, das die Situationisten für ihre Kritik des bestehenden Urbanismus einsetzen. Die beim Umherschweifen gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich nieder in psychogeographischen Landkarten. Durch das Umherschweifen wollen die Lettristen/Situationisten die Wahrheit des unmittelbaren Lebens ans Tageslicht bringen. (Juri Steiner)

Serie 105, 2008

Print auf Leinwand, 60 x 80 cm

verschiedene Materialien, 1 x 11 cm

Serie 103, 2006

Selenographie auf Leinwand, 105 x 140 cm
Ausstellungsansichten, Lange Nacht der Museen, Leopoldmuseum, Wien