Dialogues, 2007-2019

Installation, Mixed Media, Fotografie

Dialogues, 2019, Leporello handmade, 21 x 29,7 cm

Den Ausgangspunkt meiner Arbeiten bilden Portraitbilder- von Katastrophen, Kriegen oder Krisen betroffene Menschen, die ich im Internet bzw. in Tageszeitungen finde. Diese Medienbilder zielen darauf ab, bestimmte Emotionen im Betrachter auszulösen, meist mit manipulativen Absichten. Weinende Kinder, erschöpfte Flüchtlinge, trauernde Mütter - Portraits, die individuelles Leid zeigen und zumeist das gesamte Ereignis symbolisieren. Oft vervollständigen wir solche mediale Bilder auch mit unseren eigenen Erfahrungen, übertragen sie in unsere eigenen Lebenswirklichkeiten und überlagern sie mit unseren Emotionen. Doch was passiert im Zuge dieser Dekontextualisierung?

 

In meinen Arbeiten hinterfrage ich diese Bildbotschaften. Mit dem Herausschälen aus dem medialen Kontext versuche ich, eingelernte Wahrnehmungsmuster und etablierte Kommunikationsprozesse zu durchbrechen. Ich hinterfrage, ob und in welcher Form solche Bilder gezeigt werden sollten und was sie bewirken. Die medialen Bilder übersetze ich in meine eigene Bildsprache, um medienkritische Reflexionsprozesse zu evozieren. Über Abstraktion, Reduktion auf das Wesentliche, Distanz und ästhetisches Moment möchte ich die Bilder von ihrer Eindeutigkeit befreien bzw. mit neuen Bedeutungen aufladen.

 

In einem zweiten Schritt transponiere ich die zuvor entstandenen Arbeiten in meinen eigenen Lebensalltag. Dabei spielen der Zeitfaktor und der Kontext der Erlebnisse und Emotionen eine wesentliche Rolle. Über den Einsatz verschiedener Medien und deren Schichtung versuche ich, Zeit- und Wahrnehmungsräume aufzuheben. Zwei voneinander unabhängige Ereignisse werden in eine neue Beziehung zueinander gesetzt, Wahrnehmungsebenen überlagert und Zeitpunkte verwoben.

 


Ich setze die entstandenen Arbeiten auch zu meinem eigenen Portrait in Bezug. Was macht das mit mir? Wie stark berührt mich das noch? Im Arbeitsprozess fange ich an, eine emotionale Nähe zu eigentlich fremden Menschen aufzubauen, gleichzeitig hinterfrage ich diese. Über das Herauslösen aus dem medialen Kontext und das Projizieren auf meinen persönlichen Lebensalltag entsteht eine emotionale Nähe, und dann wiederum auch eine Unnahbarkeit, die verstört. Dialogues ist für mich eine sehr intime Abrechnung, einerseits mit meinem persönlichen Verhältnis zu den fremden Portraits, andererseits mit meinem eigenen Werk.

Behind, 2017, C-Print, 30 x 40 cm

Wie stark muss ein Bild sein, damit es uns noch berührt?

Behind, 2017, C-Print, 40 x 30 cm

Nicht politische Korrektheit hat diese Bilder inspiriert, sondern der Verlust an Integrität und Identitätsverschiebungen, wovon fast alles und wir alle überall betroffen sind.

(Marlene Dumas)

 

The 20 anonymous, 2007

Installationsansichten, Galerie K2, Sierning

In diesem investigativen fortlaufenden Projekt hinterfrage ich die Auswirkungen der Medien auf unsere Wahrnehmung und unsere Emotionen. Die Bilderflut der Gegenwart gibt eine sehr schnelle Rezeption vor, und Bildinhalte können in Sekunden digital verändert werden. Der Betrachter wird durch starke Signale, durch visuell einfach erfassbare, plakative, farbige Bilder eingefangen, wobei diese spezifisch ausgerichteten Informationen keine Reflexionsangebote und -möglichkeiten bieten. Der Mediennutzer wird mit gezielten Botschaften konditioniert. Doch gerade durch diese Konditionierung kann der Konsument beginnen, sich emotional zu distanzieren, was aber die Gefahr nach sich zieht, Erlebtes, Gesehenes und Konsumiertes nicht mehr verarbeiten zu können, sodass es aufgrund der Überinformation zu einer Desensibilisierung kommen kann.

The 20 anonymous, 2007

Installationsansichten, Galerie K2, Sierning