ANONYMOUS 2004-

In meinem 2004 begonnenen investigativen fortlaufenden Projekt Anonymous hinterfrage ich die Auswirkungen der Medien auf unsere Wahrnehmung und unsere Emotionen. Die Bilderflut der Gegenwart gibt eine sehr schnelle Rezeption vor. Der Betrachter wird durch starke Signale, durch visuell einfach erfassbare, plakative, farbige Bilder ‚eingefangen‘, wobei diese spezifisch ausgerichteten Informationen keine Reflexionsangebote und -möglichkeiten bieten. Der Mediennutzer wird mit gezielten Botschaften konditioniert. Doch gerade durch diese Konditionierung kann der Konsument beginnen, sich emotional zu distanzieren.

 

Wie stark muss ein Bild sein, damit es uns noch berührt?

 

Ausgangspunkt meiner Arbeiten sind immer Portraitbilder von durch Katastrophen, Kriegen oder Krisen betroffenen Menschen, die ich im Internet oder in Tageszeitungen finde. Diese Bilder zielen darauf ab, bestimmte Emotionen im Betrachter auszulösen, meist mit manipulativen Absichten. Weinende Kinder, erschöpfte Flüchtlinge, trauernde Mütter, -Portraits, die individuelles Leid zeigen- Einzelschicksale werden sichtbar gemacht, um den Betrachter emotional zu lenken. Die Bilder stehen meist symbolisch für das gesamte Ereignis, ohne ihre medialen Spiegelbilder scheinen Katastrophen, Kriege und Krisen für uns inexistent.

 

In meinen Arbeiten hinterfrage ich diese Bildbotschaften. Mit dem Herausschälen aus dem medialen Kontext versuche ich, eingelernte Wahrnehmungsmuster zu durchbrechen. Die medialen Bilder übersetze ich in meine eigene Bildsprache, um medienkritische Reflexionsprozesse zu evozieren. Über Abstraktion, Reduktion auf das Wesen, Distanz und ästhetisches Moment möchte ich die Bilder von ihrer Eindeutigkeit befreien bzw. mit neuen Bedeutungen aufladen. Welche kommunikative Potenz haben die Bilder noch? Mit meinen Arbeiten möchte ich eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der Politik der Bilder und der Kultur ihrer Erinnerung ermöglichen.

 

Zu Beginn meiner Arbeit sammelte ich Portraitfotos, die im Zuge verschiedener Medienberichterstattungen über die große Tsunami-Katastrophe 2004 im Internet zu finden waren. Über das Herausnehmen von Farbe und Abstrahierung auf das Wesentliche entstanden zunächst 20 Portraitarbeiten mit Acryllack auf PVC Folie. Diese waren der Ausgangspunkt für weitere künstlerische Prozesse und kontextuelle Untersuchungen.