Die Auflösung der Stadt, 2018

Artistic Research

Lange Zeit wurde Raum im Architekturdiskurs als eine unveränderliche Struktur betrachtet. Erst der französische Soziologe Henry Lefebvre erweiterte den Raumbegriff um eine soziale und eine geistige Komponente. Lefebvre forderte die Bewohner dazu auf, die Stadträume neu zu entdecken und auch mitzugestalten, da für ihn Raum ein gesellschaftliches Produkt darstellt, das durch Handlungen und soziale Interaktion erst erzeugt wird. Lefebvres Ansatz veränderte das Denken über den Raum.

Mittels künstlerischer Recherchen möchte ich, gemäß den Theorien Lefebvres, die Komplexität bzw. Instabilität des Raumes, das Vorhandensein des Ephemeren, im Stadtraum nachweisen. Hierfür entwickle ich neue Methoden der kartographischen Darstellung. Meine Forschungsergebnisse werden in einem ersten Schritt auf den Wiener Stadraum angewandt. 

Zunächst nehme ich die Matrix der Bedürfnisse und Wege zu ihrer Befriedigung von Manfred A. Max-Neef (aus Entwicklung nach menschlichem Maß -Entwurf, Anwendung und weiterführende Betrachtungen, 2010) zu Hilfe. In dieser werden 9 Grundbedürfnisse definiert, die zu einer Reihe verschiedener Handlungen führen. Diese Handlungen ordne ich den 32 von der Stadt Wien definierten Nutzungskategorien zugeordnet. Dabei wird deutlich, dass eine Handlung in mehreren Nutzungskategorien verortet werden kann. Über das so entstandene auch künstlerisch interpretierbare Liniendiagramm wird das ephemere Moment der Stadträume abgebildet.

Die Definition über Handlungen im urbanen Raum kann die Stadt immer wieder neu strukturieren und zu einem lebendigen dynamischen Körper werden lassen, der durch das Ephemere charakterisiert wird. In einem zweiten Schritt erfasse ich 80 Handlungen in einem zuvor definierten Teilgebiet des 6.Wiener Gemeindebezirks. Die Handlungen werden planlich verortet, Basis hierfür bildet die Realnutzungskartierung der Stadt Wien. Während sich im Bebauungsplan die Stadt als starr gebautes Gefüge abbildet, generiert sich die neue urbane Struktur über Bereiche mehr oder weniger großer Handlungsdichte immer wieder neu.